Vom Lager ins Paket: Wie Kommissionierung Effizienz im Lager ermöglicht

04.09.2025

Autorin:
Brigitte Meller
Geschäftsführung

Ob Online-Shop, Einzelhandel oder Versandzentrum – wenn im Paket plötzlich die falsche Ware liegt, beginnt die Spurensuche oft bei der Kommissionierung. Denn hier entscheidet sich, ob der Ablauf rund läuft oder die Reklamation nur eine Frage der Zeit ist. Sie ist ein Prozess, der im Alltag selten auffällt, aber über Kundenzufriedenheit, Effizienz und Wirtschaftlichkeit entscheidet. 

Was versteht man unter einer Kommissionierung?

Kommissionierung ist ein zentraler Prozess der Intralogistik und beschreibt das zielgerichtete Entnehmen von Artikeln aus dem Lager, um eine spezifische Bestellung zusammenzustellen. Dabei geht es primär darum, Kunden- oder Produktionsaufträge effizient, fehlerfrei und termingerecht für den Versand oder die Weiterverarbeitung bereitzustellen. Besonders wichtig ist dies in Bereichen wie E-Commerce, Versandhandel und Kontraktlogistik.

Mehrere Packstationen in einem Lager, an denen Kundenaufträge manuell kommissioniert werden.

Welche drei Kommissioniermethoden gibt es?

Die Bestellungen, die in einem Lagerhaus eingehen, können auf verschiedene Arten kommissioniert werden. Welche am geeignetsten ist, hängt von dem individuellen Bedarf des jeweiligen Lagers ab. Im Allgemeinen lässt sich aber zwischen ein- oder zweistufiger Kommissionierung unterscheiden. Abhängig vom Auftrag und von der Art der Kommissionierung können drei verschiedene Kommissionierungsmethoden angewandt werden: parallel & auftragsorientiert, seriell & auftragsorientiert, parallel & serienorientiert. 

Einstufige Kommissioniermethoden

Unter einer einstufigen Kommissionierung versteht man das vollständige Zusammenstellen jeder Kundenaufträge in einem Durchgang. Das bedeutet, dass alle Artikel eines Auftrags entweder manuell oder mithilfe eines automatisierten Systems nacheinander entnommen werden, bis der Auftrag komplett ist. Dadurch, dass jeder Auftrag einzeln abgearbeitet wird, ohne Bestellungen zusammenzufassen, verlangt es eine gute Strukturierung und ist deshalb besonders geeignet für kleine bis mittelgroße Lager mit einem überschaubaren Sortiment.

Auftragsorientierte & serielle Kommissionierung

Eine häufig angewendete Variante der einstufigen Methode ist die auftragsorientierte serielle Kommissionierung. Dabei wird ein Kundenauftrag nicht von einer einzelnen Person oder Station vollständig kommissioniert, sondern schrittweise durch mehrere Lagerzonen geführt. In jeder sogenannten Übergabestelle wird ein Teil des Auftrags bearbeitet. 

Anschließend werden die Artikel durch Konfektionierung – also das gezielte Zusammenstellen, Sortieren, Kombinieren oder Verpacken der Artikel zu einem einheitlichen, versandfertigen Produktpaket (z. B. Abo- und Geschenkboxen, Adventskalender oder Displays) zusammengeführt. Diese Methode erleichtert dem Kommissionierer (oder auch Greifer u. Picker) Fehlerquellen leichter zu erkennen.

Verkaufsfertige Produkte in einem Display – vorbereitet durch auftragsorientierte serielle Kommissionierung.

Auftragsorientierte & parallele Kommissionierung

Bei der auftragsorientierten parallelen Kommissionierung wird ein Kundenauftrag gleichzeitig in mehreren Kommissionierungszonen bearbeitet. Das bedeutet: Verschiedene Kommissionierer entnehmen parallel die jeweils zugewiesenen Artikel ihres Lagerbereichs, wodurch die Wegstrecken deutlich verkürzt werden.

Zweistufige Kommissioniermethoden

Diese Methode kommt zur Anwendung, wenn mehrere Kundenaufträge gleichzeitig bearbeitet werden sollen. Die zweistufige Kommissionierung erfolgt in zwei klar getrennten Arbeitsschritten. Zunächst werden alle benötigten Artikel mengenorientiert kommissioniert – nicht nach Aufträgen, sondern nach Artikelarten. Im zweiten Schritt erfolgt dann die Auftragszusammenführung, bei der die Artikel den jeweiligen Kundenbestellungen zugeordnet werden.

Serienorientierte & parallele Kommissionierung

Anstatt einzelne Aufträge separat zu bearbeiten, werden bei der serienorientierten und parallelen Methode identische Artikel für mehrere Bestellungen in einem Durchgang gesammelt, aufgeteilt nach Lagerbereichen und unterstützt durch parallele Arbeitsabläufe. Erst im Anschluss erfolgt in einer separaten Stufe die Zuordnung der Artikel zu den jeweiligen Kundenaufträgen.

Typisch für diese zweistufige Methode ist das hohe Maß an Effizienz bei großen Auftragsvolumen und hoher Artikelüberschneidung, weshalb sie besonders bei Fulfillment-Dienstleistern wie megapac handling, mit enormem Artikelumfang oder hohem Bestellvolumen, klare Vorteile bietet. Denn dadurch lassen sich Pickzeiten deutlich reduzieren, und das parallele Vorgehen in mehreren Lagerbereichen sorgt zusätzlich für Geschwindigkeit und optimierte Ressourcennutzung. 

Ein Steuerungsterminal zeigt den Kommissionierungsfortschritt in einem automatisierten Lager.

Ablauf des Kom­mis­sio­nie­rungs­pro­zes­ses

Der Kommissionierprozess besteht aus folgenden einzelnen Prozessschritten:

1. Auftragseingang
Ein Kunden- oder Produktionsauftrag wird im System erfasst. Das Lagerverwaltungssystem (LVS) entscheidet, welche Artikel aus welchen Lagerzonen entnommen werden müssen.

2. Pickliste oder digitale Anweisung
Der Kommissionierer erhält eine Liste (Pickliste) oder eine digitale Anweisung über verschiedene Kommissionerungsverfahren. Darin sind die benötigten Produkte, Mengen und Lagerplätze vermerkt.

3. Warenentnahme
Nun beginnt das eigentliche Kommissionieren: Der Mitarbeiter oder das automatisierte System entnimmt die Artikel aus dem Lager. Dies kann nach verschiedenen Strategien erfolgen, z. B. Einzel-, Serien- oder Sammelkommissionierung.

4. Kontrolle und Konsolidierung
Die entnommenen Artikel werden geprüft (z. B. per Barcode-Scan) und ggf. mit weiteren Positionen kombiniert, um einen vollständigen Auftrag zu bilden.

5. Verpackung & Versandvorbereitung
Die kommissionierte Ware wird verpackt, etikettiert und versandfertig gemacht – oft direkt im Anschluss an die Kommissionierung. In Verpackungsunternehmen ist dieser Schritt eng mit individuellen Anforderungen wie Branding, Produktschutz oder Nachhaltigkeit verknüpft.

6. Qualitätskontrolle & Versand
Bevor die kommissionierte Ware zum Versand geht, wird sie einer Qualitätskontrolle unterzogen. Nach erfolgreichem Abschluss wird der Auftrag an den Versand übergeben. Das System meldet die Sendung als abgeschlossen und aktualisiert die Bestände im Lager.

Ein Überblick über die wichtigsten Kommissionierverfahren 

Nicht jede Kommissionierung erfolgt gleich – denn wie genau ein Artikel aus dem Lager entnommen wird, hängt stark von der eingesetzten Technologie ab. In der Praxis haben sich unterschiedliche Kommissionierverfahren etabliert, die je nach Lagergröße, Auftragsvolumen und Automatisierungsgrad zum Einsatz kommen.

Pick-by-Paper
Die klassische Form der Kommissionierung erfolgt mit gedrucktem Pickzettel. Dieser ist zwar günstig in der Anschaffung, aber fehleranfällig und wenig effizient. Daher ist diese Form der Kommissionierung eher geeignet für kleine Lager mit geringer Dynamik.

Pick-by-Scan (oder Pick-by-MDE)
Per mobilem Scanner werden Artikel digital erfasst und Bestände automatisch aktualisiert. In diesem Verfahren kommen Handheld-Computer mit integriertem Barcodescanner zum Einsatz. Einerseits ermöglicht es Flexibilität und Zeitersparnis, andererseits jedoch ist es nicht sehr effizient.

Pick-by-Light
Dieses Verfahren ist nicht personenbezogen, da Lichtsignale an Regalfächern dem Kommissionierer anzeigen, wo sich die zu pickende Ware befindet. Der Vorteil ist die Praktikabilität und Einfachheit, denn die Kommissionierung wird dadurch schneller und nahezu fehlerfrei. Es verlangt aber einer langen und aufwendigen Installationsdauer.

Pick-by-Voice
Über ein Headset erhält der Kommissionierer sprachgesteuerte Anweisungen zur Entnahme. Dabei bleiben Hände und Blick frei, was die Ergonomie verbessert und perfekt für große Lager mit hoher Pickfrequenz ist. Pick-by-Voice zählt zu den effizienten und sicheren Kommissionsverfahren.

Pick-by-Vision
Hierbei handelt es sich um ein innovatives und modernes Verfahren. Es wurden das Pick-by-Voice und das Pick-by-Light Verfahren miteinander kombiniert. Datenbrillen projizieren alle Infos direkt ins Sichtfeld – vom Lagerplatz bis zur Artikelnummer. Der Kommissionierer wird visuell durch den Prozess geführt und kann intuitiv kommissionieren. Besonders sinnvoll ist dieses Verfahren in komplexen, dynamischen Lagerumgebungen.

Pick-by-Point
Ein Laser- oder Leuchtpunkt zeigt exakt auf das zu entnehmende Produkt. So lassen sich Fehler vermeiden, besonders bei schwer einsehbaren Regalfächern. Die Kommissionierung wird dadurch deutlich präziser.

Welche Kommissioniersysteme gibt es?

Ein Kommissioniersystem umfasst alle Elemente, die für das Kommissionieren notwendig sind: das Lager mit den Artikeln, das eingesetzte Personal, Transportmittel, digitale Hilfsmittel sowie die Kommissionieraufträge selbst. Ziel eines solchen Systems ist es, Material- und Informationsflüsse so zu organisieren, dass Aufträge schnell, präzise und wirtschaftlich abgewickelt werden können. Je nach Automatisierungsgrad unterscheidet man zwischen maschinellen oder manuellen Systemen.

Manuelle Kommissioniersysteme: Mann-zur-Ware

Man spricht hierbei auch von der sogenannten statischen Kommissionierung. Das heißt, der Kommissionierer bewegt sich aktiv durch das Lager zu den Lagerplätzen. Effizienz und Ergonomie lassen sich durch Pick-by-Voice, Pick-by-Light oder Scannerlösungen deutlich steigern.

Maschinelle Kommissioniersysteme: Ware-zum-Mann

Diese Systeme werden auch als dynamische Bereitstellung bezeichnet. Digitale, automatisierte Systeme (z. B. Shuttle- oder Kleinteilelager) transportieren die benötigten Artikel zum Kommissionierer über ein Fließband. Das spart Wegzeit und verringert Durchlaufzeiten.

Mitarbeiterin bei der Kontrolle von Waren an einer Verpackungsstation bei megapac.

Professionelle und effiziente Kommissionierung bei megapac handling

Durch unsere Erfahrung als langjähriges Verpackungsunternehmen wissen wir, worauf es bei der Kommissionierung von individuellen Produkten ankommt. Wir sorgen für zuverlässige Prozesse und eine ansprechende Präsentation Ihrer Ware. Ob maßgeschneiderte Beileger oder handverpackte Extras, die bei der Zielgruppe Eindruck hinterlassen, megapac handling führt für Sie alle Arten der optimierten und effizienten Kommissionierung aus.

OneFlow-Prinzip: Unsere ganzheitliche Lösung

Als Full-Service-Verpackungsunternehmen realisieren wir eine ganzheitliche Durchführung – von der Ideenfindung für Ihre individuellen Ansprüche über die Verpackungskonzeption hin zur Versandlogistik. Jedes Projekt mit seinen Anforderungen und Herausforderungen wird von uns individuell betrachtet, während wir stets die Prozessoptimierung im Blick behalten, um eine zuverlässige und termingerechte Ausführung gewährleisten zu können. 

Hochwertig konfektionierte Produkte – Teil des ganzheitlichen Verpackungsprozesses bei megapac.

Be­deu­tung der Kom­mis­sio­nie­rung in Lo­gis­tik und E-Com­mer­ce

In der Logistik und im E-Commerce ist die Kommissionierung weit mehr als nur ein interner Prozess – sie ist ein erfolgskritischer Faktor für funktionierende Lieferketten und zufriedene Kunden. Schnelles, präzises und effizientes Picking sorgt für reibungslose Warenflüsse, reduziert Fehlerquoten und verkürzt Lieferzeiten. Das zeigt sich vor allem dann, wenn viele Aufträge in kurzer Zeit und mit hoher Genauigkeit abgewickelt werden müssen und trägt somit maßgeblich zur Zufriedenheit der Endkunden bei. Eine optimierte Kommissionierung ist ein Schlüsselfaktor für den Erfolg von Unternehmen.

Fazit

Die Kommissionierung ist ein zentraler Bestandteil logistischer Abläufe – besonders im E-Commerce und Fulfillment. Sie beeinflusst maßgeblich, wie schnell und zuverlässig Kunden ihre Bestellungen erhalten. Je nach Lagerstruktur und Auftragsvolumen kommen unterschiedliche Kommissioniermethoden und -systeme zum Einsatz. Eine fehlerfreie und durchdachte Kommissionierung wirkt sich direkt auf Kundenzufriedenheit, Retourenquote und die Wirtschaftlichkeit des gesamten Versandprozesses aus.

04.09.2025

Autor:
Brigitte Meller
Geschäftsführung

Brigitte Meller ist Geschäftsführerin von megapac und seit Jahren in der Verpackungs- und Logistikbranche zuhause. Mit einem besonderen Blick für effiziente Prozesse, individuelle Verpackungslösungen und smarte Fulfillment-Konzepte sorgt sie dafür, dass alles reibungslos läuft – von der ersten Idee bis zur finalen Lieferung.